
von Oswald Prucker
In einem mehrjährigen Prozess wurde für den gesamten Landkreis ein Radverkehrskonzept entwickelt, das zu alltagstauglichen Verbindungen zwischen den Orten des Landkreises und auch zu den Ortsteilen führen soll. 2019 ging das schon los und jetzt ist es fertig, wurde im Verkehrsausschuss vorgestellt und wird demnächst wohl im Kreistag beschlossen.
Los ging das mit einem Wunschliniennetz, bei dem ungeachtet der Topographie Verbindungen nach Wichtigkeit eingezeichnet wurden. Höchste Ordnung gab es für die Verbindungen zwischen Ober- und Mittelzentren und dann absteigend nach Bedeutung der verbundenen Orte. Daraus abgeleitet wurde dann ermittelt, was es schon gibt (Startnetz) und was es noch braucht (Zielnetz). Das geschah nicht nur anhand von Karten, da wurde das gesamte Netz auch befahren und zwar eben auch mit dem Fahrrad. Daran hat sich dann eine Online-Beteiligung der Bevölkerung angeschlossen.
Insgesamt war das ein sehr langwieriger Prozess und das zum Teil aus sehr positiven Gründen: Das Thema ist der Bevölkerung sehr wichtig. Mehr als 1.400 Anregungen gab es im Beteiligungsverfahren und deren Abarbeitung dauerte!
Das klingt jetzt ein bisschen so, als dass man zwischen 2019 und heute nur geplant hätte. Das stimmt aber nicht. Es gab durch aus bereits einen Plan und nach dem wurde und wird auch gebaut. Im Prinzip ist das Radverkehrskonzept nur eine umfassendere und sorgfältigere Fortschreibung bisheriger Planungen.
Die jetzt erarbeiteten Konzepte und Kriterien sind aus meiner Sicht richtig und es ist gut, dass es jetzt einen sehr guten Überblick von oben gibt. Für mich ist es zentral, dass es vorrangig um den Alltagsverkehr geht, denn das ist ja der Kern der Verkehrswende. Es ist ebenso wichtig, dass es alle Baulastträger von der Kommune bis zum Bund betrifft und bei den jeweiligen Besprechungen wurde immer wieder klar, wie sehr letztere ihren Pflichten nicht wirklich nachkommen. Sieht man schnell, wenn man mal auf fehlende Radwege entlang von Bundes- und Landesstraßen achtet.
Die daraus abgeleiteten und noch abzuleitenden Sofortmaßnahmen brauchen allerdings immer noch einen Realitätscheck vor Ort unter Einbeziehung der Gemeinden, d.h. ortskundigen Personen.
Wichtig wird dann aber, dass sich das in echten Verbesserungen und sichtbaren Baumaßnahmen auch ausdrückt. Das wird sicher eine Herausforderung und schwierig, wenn man die aktuelle Finanzsituation bedenkt. Wenn das allerdings nicht klappt, dann wird das zu sehr großen Enttäuschungen bei den Menschen im Kreis führen, die nach dem stark genutzten Beteiligungsverfahren jetzt auch was erwartet und erwarten darf.