Mangels Passanten auf den Straßen suchen Schmid und Begleiter Zuflucht in den Geschäften. Dort konnte man mindestens die Verkäuferinnen mit einem Blumengruß überraschen. Der Großteil der potenziellen Kundschaft scheint – zumindest zwischen 15.20 und 16 Uhr – hinter dem warmen Ofen gesessen zu haben.
Dass für einen ruhigen und besonnenen Zeitgenossen wie den Chef des baden-württembergischen Superministeriums für Finanzen und Wirtschaft Wahlkampf besonderen Stress bedeuten könnte, ist gestern nicht festzustellen. "Gehen Sie auf jeden Fall wählen", sind meistens die einzigen Worte, die der Minister bei seinem Schnelldurchlauf durch Rottweil den Beschenkten zuruft. Eine Dame, die in der Oberen Hauptstraße dahereilt, ziert sich gar, eine Blume entgegenzunehmen. Ob dies aus politischer Überzeugung geschieht, oder weil sie sich von der plötzlichen Offerte "aus fairem Anbau", wie die Wahlkampf-Organisatoren des SPD-Kreisverbands betonen, überrumpelt fühlt, ist nicht genau festzustellen.
Nils Schmid, der später im Alten Rathaus vom beeindruckenden Flair Rottweils spricht, darf sich kurz mal sagen lassen, dass fürs Wohl einer Stadt vor allem ein guter OB, ein guter Pfarrer und ein guter Metzger ausschlaggebend seien. Ob Schmid im Nachhinein noch gesagt wurde, dass der gut erhaltende Ruheständler Hezinger in seiner Heimatstadt jahrzehntelang als Spitzenmetzger geschätzt wurde, ist dem Schreiber dieser Zeilen nicht bekannt.