Andrang steigt, Stellen fehlen: Mutpol stößt an Grenzen

Veröffentlicht am 01.09.2026 in Pressemitteilungen

Mirko Witkowski,Viviane Sigg MdL,Thomas Berchtold,Mario Caraggiu,Derya Türk-Nachbaur MdB,Roland Klamert,Nico Gehrling

Tuttlingen, 24. August 2026 – Derya Türk-Nachbaur zeigte im Vorbeigehen auf ihr altes Büro. Hier arbeitete sie für die Schulleitung der Gotthilf-Vollert-Schule, bevor sie in den Bundestag kam. Am 24. August kehrte die Bundestagsabgeordnete zu Mutpol in Tuttlingen zurück. Mit ihr kam die Landtagsabgeordnete Viviane Sigg. Beide fanden eine Einrichtung am Limit.

Mutpol unterstützt Kinder, Jugendliche und Familien in fünf Landkreisen. Die Nachfrage nach Jugendhilfe und Schulplätzen wächst seit Jahren. Die Plätze reichen längst nicht mehr.

Am deutlichsten zeigt sich das an der Schule. Die Schule fördert Kinder mit besonderem Bedarf in ihrer emotionalen und sozialen Entwicklung. Zum neuen Schuljahr nimmt die erste Klasse nur noch Kinder aus dem Landkreis Tuttlingen auf. Früher kamen auch Familien aus Rottweil und weiteren Kreisen. Zwei Gründe treffen zusammen: Die Anfragen für diesen Förderschwerpunkt steigen stark. Zugleich fehlen Lehrkräfte. So finden Kinder in der Region keinen passenden Platz. Manche scheitern schon an den ersten Schuljahren.

Viviane Sigg kennt den Schuldienst aus eigener Erfahrung. "Hier greifen Bildung, Förderung und Lebensalltag eng ineinander", sagte Viviane Sigg. "Gerade Kinder mit besonderen Unterstützungsbedarfen brauchen diesen ganzheitlichen Ansatz. Solche Angebote brauchen Verlässlichkeit, bei den Rahmenbedingungen ebenso wie bei ihrer Finanzierung."

Für Mirko Witkowski trifft es die eigene Heimat. "Familien aus dem Kreis Rottweil stehen jetzt vor verschlossenen Türen", sagte der Rottweiler SPD-Kreisvorsitzende. "Dieses Angebot brauchen wir auch bei uns." Mutpol ist im Kreis Rottweil seit Jahren mit Außenklassen aktiv. Weil die Plätze auch dort nicht reichen, plant Mutpol mit dem Kreisjugendamt einen Ausbau.

Auch bei den Kleinsten klemmt es. Seit dem Frühjahr betreut Mutpol Kinder ab drei Jahren in einer Wohngruppe. Sechs Plätze sind rund um die Uhr besetzt. Für so junge Kinder fehlen klare Regeln des Landes. Mutpol hat das Angebot trotzdem gestartet, damit die Kleinsten versorgt sind. "Der Kreis trägt viel mit, doch den Rahmen setzen Bund und Land", sagte Thomas Berchtold, Fraktionsvorsitzender der SPD im Kreistag. "Sie müssen liefern."

Viele Kinder bei Mutpol haben eine seelische Behinderung oder sind davon bedroht. Genau diese Gruppe kommt ab 2028 stärker in die Jugendhilfe. Die Aufgabe wächst, die Mittel wachsen nicht mit. Eine Reform des Bundes will Angebote für viele stärken und Leistungen bündeln. Fachleute warnen: Für einzelne Familien könnte die Hilfe schwerer erreichbar werden.

Türk-Nachbaur nahm die Fragen mit nach Berlin. "Ich habe hier selbst gearbeitet und weiß, was diese Arbeit wert ist", sagte die Bundestagsabgeordnete. "Bund und Land müssen sie verlässlich bezahlen."

Trotz knapper Mittel arbeitet Mutpol modern. Jedes Kind lernt in der Schule mit einem Tablet. Bildschirme und Beamer stehen in jedem Raum. Gegründet wurde Mutpol 1825, als Rettungsanstalt für arme Kinder. Heute verbindet die Einrichtung Jugendhilfe und eine digitale Schule. "So sieht moderne Bildung aus", sagte Mario Caraggiu, stellvertretender SPD-Kreisvorsitzender. "Technik allein reicht aber nicht. Es braucht Personal und sichere Daten."

Rund 370 Menschen arbeiten für Mutpol. Sie begleiten täglich mehr als 700 Kinder und Jugendliche. Gesamtleiter Nico Gehrling und der kaufmännische Vorstand Roland Klamert führten die Gäste über das weitläufige Gelände. Schulhäuser reihen sich an Wohn- und Tagesgruppen. Beschäftigte der Firma Karl Storz essen in der Kantine mit. Das bringt Alltag und Normalität für die Kinder und Jugendlichen. Den Besuch organisierte der SPD-Kreisverband Tuttlingen. Die Abgeordneten wollen die Anliegen nach Stuttgart und Berlin tragen.

Homepage SPD-Kreisverband Tuttlingen

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